Laudatio zum 30-jährigen Jubiläum 10/05/2007
[Feste]

30 Jahre Sgm.  Fritz Reuter

 

Ich bin gebeten worden, ihnen etwas zur Geschichte der Sgm zu erzählen.  Ich komme diesem Wunsch gerne nach. Es sind in den letzten Jahren so viele jüngere Leute hier hergezogen. Da ist es nicht verkehrt bei solch einer Gelegenheit etwas über den Verein zu erfahren.

 

Zur Vorgeschichte:

1971 = befragte DEGEWO  ihre  Mieter der EFRH, ob sie bei einem günstigen Preis ihr Haus kaufen würden. Es ist ein Preis von 10.000 DM im Gespräch.

1972  = macht die DEGEWO   eine Umfrage, wobei der Kaufpreis mit 35.000 DM  beziffert wird.

1974 = macht die DEGEWO  ihren Mietern ein offizielles Kaufangebot  zum Preis von 70.000 DM.

 

Eine kleine Gruppe von Nachbarn trifft sich in der Dömitzer Str. 23 zu ersten Überlegungen, was man gegen die plötzliche Preissteigerung unternehmen kann. Darunter ist der heute sicherlich allen bekannte Klaus-Uwe Benneter, der damals in der Onkel-Herse-Str. wohnte.

Es wird beschlossen, eine Bürgerinitiative zu gründen. Um einen möglichst großen Effekt zu erzielen, werden aus allen politischen Strömungen Mitstreiter gesucht. Darunter waren so bekannte Persönlichkeiten wie der frühere Finanzstadtrat Neuköllns, Herrn  Spröde (CDU) und der Sekretär der Berliner SPD Eberhard Hesse. Durch Aktivitäten auf verschiedensten politischen und gesellschaftlichen Ebenen, vor allem aber durch Verhandlungen der Bürgerinitiative mit den höchsten Gremien der DEGEWO,  konnte der Kaufpreis von 70.000 DM  auf einen Richtwert von  45.000 DM gedrückt werden.   - - - - - - -

 

Noch in demselben Jahr der ersten Verkäufe begannen die Eigentümer mit werterhaltenden Maßnahmen. Man darf nämlich nicht vergessen, in welch erbärmlichen Zustand einige der Häuser waren. Fenster, Türen, Treppen, Dächer waren z. T. so marode, dass sie nur noch ersetzt werden konnten. Dazu muss man wissen, dass die Baumärkte die es schon gab, bei weitem noch nicht so gut sortiert waren wie heute.  - - - - - -

 

Fehlende Fensterstreben, Alu-Türen und   –Fenster aber auch die von der ursprünglichen Biberschwanz-Dachdeckung abweichende Frankfurter Pfanne rief die Bauaufsicht auf den Plan. Gemeinsam mit der Städtischen Denkmalspflege und der DEGEWO wollte man uns nachträglich den Denkmalsschutz überstülpen. Dagegen war der Widerstand so heftig und dank der Unterstützung des Deutschen Siedlerbundes auch so erfolgreich, dass wir beschlossen zusammen zu bleiben.  Dies war die Geburtsstunde der Siedlergemeinschaft Fritz Reuter.  - - - - - - -

 

Ein immer wiederkehrendes Ärgernis war die laut Kaufvertrag erzwungene, gemeinsame Müllentsorgung unter der Regie der DEGEWO. Aber auch die Klagen einzelner Eigenheimer, auf Entlassung aus dem Vertrag brachten keinen Erfolg. Nur einigen Drittkäufern ist es gelungen, sich eine eigene Mülltonne hinzustellen.

Viel Aufregung brachte immer wieder die heimliche Sperrmüllentsorgung auf Kosten der Allgemeinheit. Die unterschiedlichsten Modelle dagegen vorzugehen scheiterten immer wieder an dem Unwillen der DEGEWO  sie letztendlich durchzusetzen. - - - - - -

 

 

 

Bei einer erzwungenen Überprüfung der Abrechnungsunterlagen im Februar 1990 konnte durch Mitglieder der Sgm. bewiesen werden, dass den Abrechnungen der Eigenheimer Sonderabfuhren der DEGEWO-Mieter zugerechnet worden waren. - - - - -

Durch jahrelange Überzeugungsarbeit konnten wir die getrennte Sammlung von Wertstoffen in der Siedlung erreichen.  - - - - -

Selbst bei der Beschaffung und Aufstellung der Recyclingpavillons konnten wir der DEGEWO  Fehler nachweisen. Mit Hilfe des RA des DSB konnten wir durchsetzen, uns nicht an den Beschaffungskosten beteiligen zu müssen.  - - - - -

In den ersten Jahren hatten die Nachbarn immer wieder mit Verstopfungen der Abwasserrohre zu tun. Die ohnehin schon teuren Einsätze der Fachfirmen verteuerten sich noch, weil sie zumeist am Wochenende notwendig wurden. So entschieden wir uns, selbst ein solches Reinigungsgerät anzuschaffen. Damit traten die Probleme aber erst richtig zu tage. Kein Mensch wusste mehr, welche Nachbarn an einem Abwasserstrang hängen. Das ist aber für den Erfolg der Maßnahme von entscheidender Bedeutung. Auch kam es bei den Versammlungen immer wieder zu Streitigkeiten, weil bei den Einsätzen zwangsläufig auch Nichtmitglieder oder die DEGEWO als Vermieter von der günstigen Maßnahme profitierten.  - - - - -

 

Man darf an dieser Stelle die gute Einrichtung des Siedlungsförderungsvereins nicht unerwähnt lassen. Bei der Anschaffung des Rohrreinigungsgerätes wurden wir mit einem erheblichen Anteil unterstützt. Im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinschaftsgeräten hat sich diese Anschaffung gelohnt.

Leider waren nicht alles solche Erfolgsgeschichten. Wir hatten auch ´mal die Chance, uns den Traum eines Gemeinschaftshauses zu erfüllen. Die DEGEWO besaß in der Grünanlage neben der Havermannstr. einen Flachbau, der nach dem Krieg als Werkstatt diente. Wir hatten uns als Mietinteressenten angemeldet und angeboten, das etwas heruntergekommene Bauwerk für unsere Zwecke herzurichten. Da die DEGEWO uns Hoffnung gemacht hatte begannen wir, einen Bautrupp zusammenzustellen. Mit der Miethöhe war man sich bereits  einig, nur die Mietdauer von nur fünf Jahren war uns viel zu kurz damit unsere Investitionen sich rentieren. Ohne ein Wort der Erklärung war der Flachbau eines Tages abgerissen.   - - - - -

In den ersten Jahren des Bestehens unserer Sgm  versuchten wir günstige Einkäufe durch Sammelbestellungen zu organisieren. Doch Torfmull- sowie Heizölbestellungen  brachten dem Vorstand viel Arbeit und eine Menge Ärger obendrein. Einzig die Bestellung von Sprengwasserzählern lief zur Zufriedenheit aller Beteiligten und wurde auch wiederholt.  

 Die gemeinsame Bestimmung von Bodenproben durch eine Fachfirma, um die richtigen Dünger für unsere Siedlergärten auszusuchen, blieb eine einmalige Angelegenheit. - - - - - -

In der Blütezeit unseres Vereins gründeten wir gleich zwei, wie ich immer noch meine, sinnvolle Einrichtungen, die das Gemeinschaftsgefühl fördern sollten. Mit viel Engagement stürzte ein Elternpaar sich in die Betreuung einer Kindergruppe. Der anfängliche Erfolg sollte nicht lange anhalten. Bereits nach etwas mehr als einem Jahr zerplatzte die gute Idee wie eine Seifenblase. Das Ehepaar zog fort und ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden.

Die Gründung unserer Frauengruppe war da weit erfolgreicher, weil sie sich bis heute gehalten hat. Doch wenn zu dem harten Kern nicht neue Siedlerfreundinnen hinzu stoßen, ist auch hier ein Ende abzusehen.   - - - -

Unser Eierteich ist sozusagen das Zentrum der Siedlung. Drei Studentinnen,  zumindest eine davon ein Kind unserer Siedlung, haben dies zum Anlass genommen, das Biotop während ihres Biologiestudiums genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Ergebnis verblüffte uns. Niemand hatte eine so große Zahl von Tieren in und um den Teich erwartet.

 

Im September 1997 rückte das Grünflächenamt Neukölln mit schwerem Gerät an und fällte die 27 Silberahorn Bäume, die rings um den Teich standen. Die Reaktion der Anwohner war eindeutig. 70 Leute hatten sich eingefunden und stellten sich schützend vor die Bäume. Erst eine Polizeiaktion löste die Demonstration nach heftigen Diskussionen auf. Eine Abordnung, die nur aus Mitgliedern der Sgm bestand, zog zum Verwaltungsgericht und reichte Klage gegen das Grünflächenamt ein. Trotz allem verlor der Krugpfuhl sein ursprüngliches Gesicht.

 

Obwohl das NGA uns gegenüber zusagte, jeden neuerlichen Eingriff mit dem Siedlerverein abzusprechen, wurde in den vergangenen Jahren erneut ein „Aufstand“ nötig, um den Verantwortlichen zu zeigen, dass die Anwohner auf dem Posten sind.

 

 

Aus einem Pflanzentausch, der  im Herbst 1986 zum Eierteich  einberufen war, entwickelte sich schnell das Siedlerfest. Zwar hat es nicht regelmäßig jedes Jahr stattgefunden, ist aber im Laufe der Zeit zu einer Institution geworden. Der verhältnismäßig große Aufwand ist durch die Geselligkeit und das Bekanntmachen des Vereins zu rechtfertigen. Dagegen sollen die Siedlerfahrten die Mitglieder untereinander näher bringen. Beide Veranstaltungen erscheinen mir für den Zusammenhalt in der Gemeinschaft sehr wichtig. So bin ich froh und dankbar, dass der neue Vorstand diese Art der Begegnung erhalten hat und sogar um einen Trödelbasar in jedem Frühjahr ergänzt hat.

 

Besonders erfreut war ich, als die Siedlerzeitung in ihrer Form zur Information und Unterhaltung aller Nachbarn beibehalten wurde.

 

 

Wo so viele Menschen dicht nebeneinander leben, kann es nicht immer friedlich oder gar freundschaftlich ablaufen. Es gab schon immer Streitigkeiten zwischen Nachbarn, die manchmal sogar vor dem Gericht endeten und im Einzelfall sogar mit dem Wegzug eines Nachbarn. In unserer Gemeinschaft kann man die Probleme ansprechen und Ansätze für Lösungen finden. Denn wir „Alten“ sprechen aus Erfahrung.

 

 

Ich wünsche uns allen noch viele erfolgreiche Jahre mit unserer Sgm  und für heute erst einmal viel Spaß und gute Unterhaltung.

 

Wolfgang Leyk          

 

                   

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