aus dem Britzer Heimatboten, 67. Jahrgang, Jan-März 1997

Die Ehrung Fritz Reuters in der Hufeisensiedlung in Britz ist wohl einmalig in der Geschichte der Berliner Straßenbenennung. Hier wird nicht nur die Erinnerung an den großen mecklenburgischen Dichter wachgehalten, sondern auch an die Hauptfiguren seiner Werke.

1910 wurde überall in Deutschland der 100. Geburtstag dieses großen Humoristen gefeiert. Vor seinem Geburtshaus in Stavenhagen errichteten Freunde und Verehrer ein Denkmal für den Heimatdichter. Ihn zu Ehren wurden die Straßen der Britzer Siedlung nach Personen und Ortschaften dieses Poeten benannt.

*


Die Hauptstraße der Siedlung trägt den Namen des Dichters Fritz-Reuter Allee. An den Verkehrsstraßen liegen die Häuser mit Etagenwohnungen, zwischen diesen stehen die Einfamilienhäuser der Wohnstraßen. Zu den Einfamilienhäusern und den Erdgeschoß- Etagenwohnungen gehören Wohngärten. Diese Gärten und Gartenwege fügen sich harmonisch in die gesamte Wohnanlage ein.


Im Jahre 1924 erwarb die Stadt Berlin das Rittergut Britz von den Erben des letzten Rittergutsbesitzers Julius Wrede. Die Entwürfe und städtebauliche Gestaltung der Großsiedlung stammen von Professor Bruno Taut und Stadtbaurat Martin Wagner. Im Oktober 1925 begannen die Bauausführungen.



Lowise Reuter Ring um 1932

Das Wahrzeichen der Siedlung, das "Hufeisen", stellt eine anerkannte Sehenswürdigkeit unserer Stadt dar. Rund um den ehemaligen großen Krugpful, der in einer Geländevertiefung liegt, inmitten von einstigen Getreidefeldern, wurde eine hufeisenförmige Häuserzeile errichtet. Der Innenraum wurde zu einer schönen Grünanlage umgestaltet. Strahlenförmig führen vom Hufeisen aus die Wohnstraßen zu den Einfamilienhäusern.

Eine Straße in der Siedlung trägt den Namen "Hüsung". In seinem Werk "Kein Hüsung" geißelt Fritz Reuter die Tyrannei der Gutsherrschaft und die Frömmigkeit der Geistlichkeit. Das geknechtete Volk war damals völlig rechtlos und mußte sich beugen. "Hüsung! -Hüsung!" -Gebt uns ein Haus, ein eigenes Heim, eine Wohnung, so schrien die Menschen nach dem 1.Weltkrieg. Es muß dankenswert anerkannt werden, daß sich die damaligen Stadtväter bemühten, den Wohnungslosen zu helfen. Das Rittergut Britz wurde von der Stadt Berlin gekauft. Tausende Berliner fanden hier "Hüsung", ein eigenes Heim. Viele Familien lebten in viel zu engen und lichtlosen Wohnungen in Hinterhäusern und Seitenflügeln. Die meisten Wohnungen hatten keine
eigene Toilette und kein Bad. In trostlosen Mietskasernen zusammengepfercht spielte sich das Familienleben ab. Dies zu ändern war ein erklärtes Ziel von Bruno Taut. Er verwirklichte dies vor allem in Zusammenarbeit mit Martin Wagner in der Hufeisensiedlung in Britz. Zwei Straßen in Britz sind nach diesen verdienstvollen Männern benannt.

Martin Wagner und Bruno Taut wiesen in Berlin mit der Planung und Erstellung der Hufeisensiedlung in Britz den Weg des reformerischen Siedlungsbaus. Es wurden neue Techniken und Bauverfahren entwickelt, um die Baukosten zu senken. Bestimmte Häusertypen wurden entwickelt, Türen und Fenster genormt und zur Arbeitserleichterung Schaufelbagger und Fließbänder eingesetzt. Das Schaffen von Bruno Taut und Martin Wagner in Verbindung mit einigen Wohnungsgesellschaften war eine zukunftsweisende Antwort vor mehr als 70 Jahren auf menschenwürdiges Wohnen in vielen Berliner Wohngebieten.

Funde:
Bei den Bauarbeiten stieß man auf Funde, die einen Beweis dafür lieferten, daß in der Großsiedlung Britz schon lange vor der Zeitenwende Menschen hier gesiedelt haben. Aus der Jungsteinzeit (3000-1800 v. Chr.), eine Epoche der ersten bäuerlichen Besiedlung unseres Raumes, konnten in der Hufeisensiedlung zahlreiche Funde geborgen werden. Aus der Siedlung um das Hufeisen sind 40 Fundstellen bekannt, davon 18 durch wissenschaftliche Grabungen. Britz ist ein alter und historisch gewachsener Ortsteil Berlins, in dem sich bis vor kurzer Zeit noch ländliche Idylle, in der Hufeisensiedlung noch heute kleinstädtische Anmut und durch die Wiedervereinigung das pulsierende Leben einer Großstadt miteinander vereinigen.





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aus dem Britzer Heimatboten, 67. Jahrgang, Jan-März 1997

Die Ehrung Fritz Reuters in der Hufeisensiedlung in Britz ist wohl einmalig in der Geschichte der Berliner Straßenbenennung. Hier wird nicht nur die Erinnerung an den großen mecklenburgischen Dichter wachgehalten, sondern auch an die Hauptfiguren seiner Werke.

1910 wurde überall in Deutschland der 100. Geburtstag dieses großen Humoristen gefeiert. Vor seinem Geburtshaus in Stavenhagen errichteten Freunde und Verehrer ein Denkmal für den Heimatdichter. Ihn zu Ehren wurden die Straßen der Britzer Siedlung nach Personen und Ortschaften dieses Poeten benannt.
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Die Hauptstraße der Siedlung trägt den Namen des Dichters Fritz-Reuter Allee. An den Verkehrsstraßen liegen die Häuser mit Etagenwohnungen, zwischen diesen stehen die Einfamilienhäuser der Wohnstraßen. Zu den Einfamilienhäusern und den Erdgeschoß- Etagenwohnungen gehören Wohngärten. Diese Gärten und Gartenwege fügen sich harmonisch in die gesamte Wohnanlage ein.


Im Jahre 1924 erwarb die Stadt Berlin das Rittergut Britz von den Erben des letzten Rittergutsbesitzers Julius Wrede. Die Entwürfe und städtebauliche Gestaltung der Großsiedlung stammen von Professor Bruno Taut und Stadtbaurat Martin Wagner. Im Oktober 1925 begannen die Bauausführungen.


Lowise Reuter Ring um 1932

Das Wahrzeichen der Siedlung, das "Hufeisen", stellt eine anerkannte Sehenswürdigkeit unserer Stadt dar. Rund um den ehemaligen großen Krugpful, der in einer Geländevertiefung liegt, inmitten von einstigen Getreidefeldern, wurde eine hufeisenförmige Häuserzeile errichtet. Der Innenraum wurde zu einer schönen Grünanlage umgestaltet. Strahlenförmig führen vom Hufeisen aus die Wohnstraßen zu den Einfamilienhäusern.

Eine Straße in der Siedlung trägt den Namen "Hüsung". In seinem Werk "Kein Hüsung" geißelt Fritz Reuter die Tyrannei der Gutsherrschaft und die Frömmigkeit der Geistlichkeit. Das geknechtete Volk war damals völlig rechtlos und mußte sich beugen. "Hüsung! -Hüsung!" -Gebt uns ein Haus, ein eigenes Heim, eine Wohnung, so schrien die Menschen nach dem 1.Weltkrieg. Es muß dankenswert anerkannt werden, daß sich die damaligen Stadtväter bemühten, den Wohnungslosen zu helfen. Das Rittergut Britz wurde von der Stadt Berlin gekauft. Tausende Berliner fanden hier "Hüsung", ein eigenes Heim. Viele Familien lebten in viel zu engen und lichtlosen Wohnungen in Hinterhäusern und Seitenflügeln. Die meisten Wohnungen hatten keine
eigene Toilette und kein Bad. In trostlosen Mietskasernen zusammengepfercht spielte sich das Familienleben ab. Dies zu ändern war ein erklärtes Ziel von Bruno Taut. Er verwirklichte dies vor allem in Zusammenarbeit mit Martin Wagner in der Hufeisensiedlung in Britz. Zwei Straßen in Britz sind nach diesen verdienstvollen Männern benannt.

Martin Wagner und Bruno Taut wiesen in Berlin mit der Planung und Erstellung der Hufeisensiedlung in Britz den Weg des reformerischen Siedlungsbaus. Es wurden neue Techniken und Bauverfahren entwickelt, um die Baukosten zu senken. Bestimmte Häusertypen wurden entwickelt, Türen und Fenster genormt und zur Arbeitserleichterung Schaufelbagger und Fließbänder eingesetzt. Das Schaffen von Bruno Taut und Martin Wagner in Verbindung mit einigen Wohnungsgesellschaften war eine zukunftsweisende Antwort vor mehr als 70 Jahren auf menschenwürdiges Wohnen in vielen Berliner Wohngebieten.

Funde: Bei den Bauarbeiten stieß man auf Funde, die einen Beweis dafür lieferten, daß in der Großsiedlung Britz schon lange vor der Zeitenwende Menschen hier gesiedelt haben. Aus der Jungsteinzeit (3000-1800 v. Chr.), eine Epoche der ersten bäuerlichen Besiedlung unseres Raumes, konnten in der Hufeisensiedlung zahlreiche Funde geborgen werden. Aus der Siedlung um das Hufeisen sind 40 Fundstellen bekannt, davon 18 durch wissenschaftliche Grabungen. Britz ist ein alter und historisch gewachsener Ortsteil Berlins, in dem sich bis vor kurzer Zeit noch ländliche Idylle, in der Hufeisensiedlung noch heute kleinstädtische Anmut und durch die Wiedervereinigung das pulsierende Leben einer Großstadt miteinander vereinigen.